Worte des Echnaton auf einer Grenz-Stele
zur Stadt Achet-Aton

Schaut Achetaton, von dem Aton wollte,
dass es ihm geschaffen werde als Denkmal für seinen Namen
für alle Zeit. Aton aber, mein Vater, war es, der auf Achetaton wies,
nicht zeigte darauf ein Beamter,
noch irgendeiner im ganzen Land zeigte darauf mit Worten,
dass er Achetaton an dieser Stelle erbaue,
sondern Aton, mein Vater, zeigte darauf,
dass man es ihm als Achetaton (dort) errichtete.
Schaut, Pharao spürte es auf. Nicht gehört es einem Gott,
nicht gehört es einer Göttin, nicht gehört es einem Herrscher,
nicht gehört es einer Herrscherin,
nicht gehört es irgendeinem Beamten oder irgendeinem Menschen,
um Anspruch darauf zu haben. Ich errichte Achetaton für Aton,
meinen Vater an diesem Platz!
Ich will ihm Achetaton nicht im Süden,
im Norden, im Westen oder im Osten errichten.
Ich überschreite nicht die südliche Stele
von Achetaton nach Süden,
nicht werde ich die nördliche Stele von Achetaton
nach Norden überschreiten, um dort Achetaton zu bauen.
Auch errichtete ich es ihm nicht auf der Westseite
von Achetaton, sondern ich baue Achetaton für meinen Vater Aton
auf der Seite des Sonnenaufgangs von Achetaton,
auf einer Stelle, welche er sich selbst bereitet hat
und die für ihn durch ein Gebirge umrahmt ist.
Er ist zufrieden mit ihr, und ich opfere ihm in ihr.
Das ist sie (die richtige Stelle). Nicht sage die Königin mir:
»Schau es existiert ein schönerer Platz an einer anderen Stelle«
und ich sollte auf sie hören!
Nicht sage mir irgendein Beamter von den Beamten,
die in (meiner) Gunst stehen, oder ein Höfling
oder irgendein Mensch im ganzen Land:
»Schau, es existiert ein schöner Platz für Achetaton
an einer anderen Stelle« und ich sollte auf sie hören!
Sei sie nördlich, sei sie südlich, sei sie westlich
oder sei sie, wo die Sonne aufgeht!
Ich sage nie: Ich gebe Achetaton auf, indem ich Order gebe
und Achetaton an dieser anderen, schöneren Stelle erbaue.

 

 

 

 

Echnatons Sonnenhymnus

Zum ersten Mal wurde dieses Literaturwerk
von dem französischen Ägyptologen
Urbain Bouriant im Jahre 1884 publiziert, Verbesserungen wurden von dem Engländer
Norman de Garis Davies 1908 erarbeitet.

Du erscheinst in der Vollkommenheit deiner Schönheit am Himmelshorizont,
Du lebendige Sonne,
die Leben zuweist;
Du bist aufgegangen am östlichen Horizont,

Du hast jedes Land erfüllt mit deiner Schönheit.

Du bist schön,  gewaltig und strahlend,

Du bist hoch über jedem Land,

Deine Strahlen umfassen die Länder

Bis ans Ende deiner ganzen Schöpfung.

Als das Sonnenprinzip

Regierst du die Länder bis an ihre Grenzen,

Du unterwirfst sie deinem geliebten Sohn.

Du bist fern,

Aber deine Strahlen sind auf Erden,

Du bist in unserem Angesicht,

Aber man kann deinen Gang nicht erkennen;

Gehst du unter in der westlichen Lichtregion,

Ist die Erde in Finsternis, in der Verfassung des Todes.

Die Menschen schlafen in ihren Kammern,

Verhüllt sind ihre Köpfe,

Niemand erkennt seinen Bruder.

Stiehlt man ihre Habe unter ihren Köpfen,

So merken sie es nicht.

Alle Löwen kommen aus ihren Höhlen,

Alles Gewürm sticht.

Die Erde liegt in Schweigen,

Die tiefere Finsternis herrscht,

Ihr Schöpfer ist untergegangen an seinem Horizont.

Du erhebst dich des Morgens am Horizont,

Du leuchtest als Sonne des Tages,

Du vertreibst die Finsternis,

Du verbreitest deine Strahlen.

Die zwei Länder feiern dir zu Ehren,

Die Menschen erwachen,

Sie stehen auf ihren Füßen,

Du hast sie aufgerichtet.

Sie reinigen ihre Körper und ziehen
Leinengewänder an,

Ihre Arme sind erhoben in Lobgebärden bei deinem Erscheinen.

Das ganze Land tut seine Arbeit,

Alles Vieh sättigt sich an seinen Kräutern,

Bäume und Pflanzen wachsen,

Die Vögel fliegen auf aus ihren Nestern,

Ihre Flügel entbreitet in Lobgebärden für deine Lebenskraft,

Alles Wild tanzt auf seinen Füßen,

Alles, was auffliegt und sich niederlässt,

Sie leben wenn du für sie aufgehst.

Die Schiffe fahren stromab und stromauf in gleicher Weise.

Jeder Tag ist eröffnet durch dein Erscheinen.

Die Fische im Fluss hüpfen vor deinem Angesicht,

Deine Strahlen dringen ins Innere des Großen Grünen.

Du bewirkst, dass der Embryo bei den Frauen entsteht,

Du produzierst den Samen beim Mann,

Du erhältst den Sohn im Leib seiner Mutter am Leben,
du beruhigst ihn, indem du seine Tränen stillst.
Du bist die Amme dessen,

Der sich noch im Schoß verbirgt,

Du spendest fortwährend den Hauch,

Der jeder Kreatur leben schenkt.

Wenn sie herabkommt aus dem Leib,

Um zu atmen am Tag ihrer Geburt,

Öffnest du ihren Mund gänzlich

Uns sorgst für ihren Bedarf.

Wenn das Küken im Ei  zwitschert in der Schale,

Dann gibst du ihm Luft darinnen,

Um es zu beleben.

Du hast für es befohlen

Eine strenge bemessene Zeit des Brütens,

In der es vollständig wird;

Es zerbricht seine Schale von innen,

Es schlüpft aus dem Ei, es spricht.

Zu festgelegten Zeitpunkt

Schlüpft es heraus und läuft auf seinen Füßen.

Wie viel ist was du geschaffen hast,

Indem es unseren Augen verborgen ist,

Du einziger Gott ohnes gleichen.

Du hast die Erde erschaffen nach deinem Herz-Bewusstsein,
der du allein warst.
Menschen, Herden, jegliches Wild,

Alles was auf Erden ist

Und auf seinen Füßen läuft,

Alles, was in der Luft ist

Und mit seinen Flügeln auffliegt,
Die Fremdländer von Syrien und Nubien,

Das Land von Ägypten,

Du stellst jedermann an seinen Platz

Und schaffst seinen Bedarf.

Die Zungen sind verschieden im Sprechen,

Ihre Eigenschaften desgleichen,

Ihre Hautfarbe ist unterschiedlich,

Denn du unterscheidest die Fremdländer.

Du machst einen Nil in der unteren Welt

Und bringst ihn herauf nach deinem Belieben,

Um die Menschen Ägyptens am Leben zu erhalten,
Wie du sie geschaffen hast.
Du bist ihrer aller Herr,

Der sich abmüht mit ihnen,

Du Herr eines jeden Landes,

Der aufgeht für sie.

Du Sonne des Tages, gewaltig an Hoheit,

Alle fernen Länder, du schaffst ihren Lebensunterhalt,

Du hast einen Nil an den Himmel gesetzt,

Dass er herabsteige zu ihnen,

Er gibt den Wasserläufen ihre Form,

Um ihre Äcker und ihre Orte trunken zu machen.

Wie wirkungsvoll sind seine Pläne,

Du Herr der unendlichen Zeit,

Der Nil am Himmel,

Du gibst ihn den Fremdvölkern

 Und den Wildtieren der Wüste,

Die auf ihren Füßen laufen;

Für das Geliebt Land,

Kommt der Nil aus der unteren Welt.

Deine Strahlen säugen alle Felder,

Wenn du aufgehst,

Leben sie und wachsen um deinetwillen.

Du fügst die Jahreszeiten,

Damit sich entwickele,

Was alles du schaffst:

Den Winter, die Menschen zu kühlen,

Die Hitze, damit sie dich schätzen.

Du hast den Himmel in der Ferne geschaffen,

Um an ihm aufzugehen,

Um alles zu sehen, was du erschaffst,

Du bleibst in deiner Einheit.

Du bist aufgegangen

In deiner Verkörperung als lebende sonne,

Du bist erschienen und strahlend,

Du bist deren und nah zugleich.

Du erschaffst in Ewigkeit

Millionen Verkörperungen aus dir,
dem Einen.
Städte und Dörfer, Äcker, Wege und Flüsse,

Alle Augen sehen dich ihnen gegenüber,

Indem du als Sonne des Tages

Über der Erde bist.

Wenn du gegangen bist,

Ist kein Geschöpf mehr da,

Das du gezeugt hast,

Damit du nicht deinen Leib

Als einziges deiner Geschöpfe sehen müsstest.

Keiner den du gezeugt hast, sieht dich,

Du wohnst in meinem Herzen.

Kein anderer kennt dich,

Außer deinem Sohn Echnaton,

Du lässt ihn kundig sein deiner Pläne

Und deiner Macht.

Die Erde entsteht auf deinen Wink,

Wie du sie erschaffen hast.

Du gehst auf für sie,
sie lebt.
Du gehst unter,
sie stirbt.
Du bist die Lebenszeit selbst,

Man lebt durch dich.

Die Augen ruhen auf deiner Vollkommenheit,

Bis du untergehst,

Alle Arbeit wird niedergelegt,

Wenn du untergehst im Westen.

Wenn du aufgehst,

Läst du alles Seiende  wachsen für den König;

Eile ist in jedem Fuß,

Seit du die Erde gegründet hast.

Du richtest sie auf für deinen Sohn,

Der aus deinem Leibe kam,

Den König von Ober - und Unterägypten,

Der von der universellen Harmonie lebt,

Den Herrn der Zwei Länder,

Den Sohn des Re,

Der von der universellen Harmonie lebt,

Den Herrn der Kronen,
Echnaton,
Möge seine Lebensdauer groß sein!

Möge seine Große Gemahlin , die er liebt,

Die Herrin der zwei Länder,
Nofretete,
Leben und sich verjüngen,

Für alle Zeit in Ewigkeit.

(Es weitere gibt unterschiedliche Übersetzungen.)

Spuren dieses Sonnenhymnus finden sie im Psalm 104. des alten Testamentes.

Parallelen zeigen besonders die
Psalmverse 20 bis 25.

Amarna Epoche