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Einleitung
zum AMDUAT Um das Jahr 1500 v. Chr. hat ein altägyptischer Dichter eine Jenseitsvision zu Papyrus gebracht, die zu den großen Menschheitsdichtungen gehört und mehrfach Epoche gemacht hat. Im alten Ägypten wurde sie zum Vorbild einer ganzen Literaturgattung, die wir heute als »Unterweltsbücher« bezeichnen, und die Überlieferung des Amduat-Buches reicht bis in die griechisch-römische Zeit des Landes. Sehr wahrscheinlich hat es seine Spuren noch in den Texten der Gnosis, im hermetischen Schrifttum und in frühen christlichen Jenseitsvisionen hinterlassen. Wie ägyptische Kunst auch sonst anonym ist, bleibt uns der Name des Dichters für immer verborgen. Aber sein Werk spricht nach Jahrtausenden immer noch zu uns. Es ist ein »Gesamtkunstwerk«, das durch Bilder und zugehörige Texte den »Verborgenen Raum« des Jenseits, die Tiefendimension der Welt beschreibt. Allerdings mußten wir erst wieder lernen, auf solche Botschaften zu achten. Die Ägyptologie brauchte mehrere Generationen von Gelehrten, um sich bewußt zu werden, welch ein Schatz ihr hier anvertraut ist. Führende Vertreter des Faches sprachen von »Hirngespinsten« und »Fratzen«, wenn sie auf das Amduat zu sprechen kamen, ausgebrütet in der »Hexenküche« priesterlicher Zauberer. Doch andere Gelehrte, wie bereits Champollion und nach ihm Maspero und Piankoff, erkannten die Bedeutung dieser Jenseitsbeschreibung und bemühten sich um ihre Erschließung. Seitdem hat die Erforschung der Texte und Bilder große Fortschritte gemacht und ihnen über die Grenzen der Ägyptologie hinaus Beachtung verschafft. Vor allem in der modernen Psychologie hat sich ein großes Interesse herausgebildet, denn das Amduat bietet Stoff, aus dem auch heute noch die Träume sind, und es geht um Regeneration, die nicht nur für den Sonnengott und für die Toten, sondern für den heute Lebenden von höchster Aktualität ist. (Zitat aus: Das Amduat, die Schrift des verborgenen Raumes)
Jutta Achilles
Am Anfang entstand die Idee, das Amduat nicht rein wissenschaftlich zu interpretieren, sondern es sinnlich erfassbar und farbig erlebbar darzustellen. Damit sollte auch der "Laie" die Möglichkeit haben den besseren Zugang zum Inhalt des Amduat zu finden. Das Amduat gehört zum Weltkulturerbe der Menschheit und mit dieser Arbeit wollte ich eine einfühlsame Nähe zu dem Werk ermöglichen. Die Sinnlichkeit des Bildes, die Lebendigkeit der Ausdruckskraft und die große Tiefe der Geheimnisse galt es zu erfassen. Da geht es nicht um Dunkelheit der Gräber, nicht um "Fratzen" an der Wand. Da ist das pralle Leben in all seiner Farbenpracht zu sehen. Re mit seinem Licht leuchtet auch in der Unterwelt und macht auch die Farben lebendig. Das Amduat ist ein Buch der Toten und der Lebenden! Dabei habe ich versucht mich stark an das Original anzulehnen, ohne jedoch rein wissenschaftlich zu interpretieren. Für manchen wohl eine Chimäre, aber von besonderem Reiz. Ungewöhnlich neu und doch vertraut erscheint das Amduat hier in neuem Glanz. Dennoch bin ich einen Schritt weiter gegangen und habe die "Vorlage" als Ausgangsmaterial und Inhaltsangabe verwendet. Die dabei verwendeten Figuren und Farben sind zum Teil direkt von Bildvorlagen oder aus Eigeninterpretationen entstanden. So wie vor tausenden von Jahren die Vorlage als Skizze auf einem Papyri vorlag, so malte ich sie als "Künstler-Handwerker" aus, ganz so wie es im Geheimnis der Grüfte wohl geschah. Dabei bin ich zu interessanten Ergebnissen gekommen, die sicher auch den Handwerkern der damaligen Zeit eigen waren. Die Figurinen kann man schablonenartig verwenden und man erlangt dadurch eine gewisse Fertigkeit der Darstellungen. Die eigentliche Ausführung der Malereien war dann dem Geschick des Auszuführenden anvertraut. Da diese Darstellungen in der endgültigen Ausführung an den Wänden sicher nicht das Werk eines Einzelnen waren, so musste doch am Ende eine gewisse Einheit und Klangfarbigkeit des Gesamteindruckes entstehen. Das ist nur zu erreichen, indem man nach brauchbaren Vorgaben arbeitet. Tauchen sie ein in die Welt des alten Ägyptens und lassen sie sich entführen ins Licht und deren Farben des Lebens. Das Amduat zeigt uns auch die Welt der eigenen Träume, Ängste und Hoffnungen, die allen Menschen eigen sind, egal woher sie stammen. Archetypische Bilder sind in ihm ebenso zu finden, wie Symbole unserer neuen Weltreligionen. Die Quelle der Inspiration von Künstlern und Gelehrten, sichtbare Welt und unsichtbare Welt treffen sich hier auf einzigartige Weise. Auch wenn nicht bis ins Detail alles erfassbar wird, einen starken Eindruck hinterlässt die Seelenwanderung allemal. Sie ist immer wieder das Thema großer Literaten und Spiritisten gewesen. Hier ist die Befruchtung im Geiste nachzuvollziehen. Durch die Rezitation der Worte und die Betrachtung der Bilder undSymbole erwächst eine Ahnung, eine Ehrfurcht vor der ewigen Schöpfung. Tiefe Spiritualität und religiöser Glaube gipfeln in diesem Kunstwerk von unvergänglicher Schönheit. Es kann Neuinterpretationen anregen und lebt dadurch im Gedächtnis der Menschen weiter. Es geht hier nicht um Vervielfältigung und um dogmatische Regeln, sondern um einen immer wieder neu begonnenen Schöpfungsprozess im Rahmen vorgegebener Gesetzmäßigkeiten, dessen Ausgang immer wieder ungewiss bleibt. Die ewig währenden Kämpfe des Guten gegen das Böse stehen dabei im Zentrum. Hoffnung will immer wieder neu geboren werden. Die Rezitationen werden begleitet von Aufnahmen der NASA, hörbare Schwingungen der Planeten, sowie Stimmen der Wüste und Glasharfe.
Bearbeitung des AMDUAT Textlesung: Jutta Achilles
ATELIER ACHILLES
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