EINLEITUNG
(134) Verweilen durch die Majestät dieses großen Gottes
bei den Höhlen der Geheimnisvollen Götter, die auf ihrem Sand sind. Er erteilt ihnen Weisungen von seiner Barke aus, seinen Göttern, die ihn ziehen in dieser Stätte,
in der unnahbaren Gestalt der «Ringelschlange».
Der Name des Tores dieser Stätte ist
«Das steht, ohne müde zu werden».
Der Name dieser Stätte ist «Sarkophag ihrer Götter».
Der Name der Nachtstunde, die diesen großen Gott geleitet, ist «Herrin der (135) tiefen Nacht».
Die geheimnisvollen Höhlen des Westens,
an denen der Größte Gott vorüberzieht in seiner Barke als der, den seine Götter ziehen, die in der Dat sind.
Gemacht sind diese wie diese Vorlage auf der Nordseite
des Verborgenen Raumes in der Dat.
Wer sie kennt bei ihren Namen ist einer,
dem Kleider gehören in der Erde,
ohne daß er abgewehrt wird von den geheimnisvollen Toren.
Gespeist wird er am Großen Grab. Als wahr erprobt!

 

ACHTE STUNDE
OBERES REGISTER

Das obere und das untere Register dieser Stunde sind in je fünf «Höhlen» aufgeteilt, die durch eine Tür verschlossen sind; die Türen werden in ihren Namen als «Messer» bezeichnet. Die Gottheiten in den Höhlen (meistens drei) thronen auf «Stoff»-Zeichen, die ihre Versorgung mit Kleidern anzeigen. Wenn das Schöpferwort des Sonnengottes die Türen aufspringen läßt, und die Grabstätten erleuchtet werden, antworten die Bau der Toten dem Sonnengott in nichtmenschlichen Tönen, die genau gekennzeichnet sind - dies sind die «Geräusche», die aus jeder «Höhle» dringen. Die «Bilder» der Wesen werden im Licht der Sonnenscheibe sichtbar, während die Leichname unsichtbar im Sand begraben liegen.

Erste Höhle. Die erste Tür heißt «Messer, Herr der Unnahbarkeit». Dargestellt sind in dieser Höhle das «Bild des Atum» (556, mit oberägyptischer Krone), das «Bild des Chepri» (557) und das «Bild des Schu» (558, beide ohne Attribute). Den drei «Bildern» auf ihren Stoff-Hieroglyphen ist der folgende Text beigeschrieben:

(136) So sind sie bescharfen auf ihren Kleidern
als Geheimnis des H
orus, des Erben des Osiris.
Dieser Gott (Re) ruft ihren Bau zu,
nachdem er eingetreten ist in diese Stätte der Götter, die auf ihrem Sand sind.
Ein Geräusch wird aus dieser Höhle gehört wie viel Summen von Bienen,
wenn ihre Bau dem R
e zurufen.
Scheut ist der Name dieser Höhle.

Zweite Höhle. Nach der Tür «Messer, Stehender (des) Tatenen» folgen, ohne Attribute, die «Bilder» der Gottheiten Tefnut (559) Geb (560) und Nut (567). Der Text lautet:(137)

So sind sie beschaffen auf ihren Kleidern,
indem sie auf ihrem Sand bleiben als Geheimnis, das H
orus gemacht hat.
Dieser Gott ruft ihren Bau zu in ihrer Nähe.
Ein Geräusch wird aus dieser Höhle gehört
wie das Geräusch des Verschlingens von ... (unklar),
wenn ihre Bau dem R
e zurufen. Dat ist der Name dieser Höhle.

OBERES REGISTER

Dritte Höhle. Nach der Tür «Messer, mit schwebenden (?) Bau» folgen die «Bilder» der Gottheiten Osiris (562), Isis (563) und Horus (564, falkenköpfig). Der Text lautet:(138)

So sind sie beschaffen auf ihren Kleidern,
indem sie auf ihrem Sand bleiben als Geheimnis, das H
orus gemacht hat.
Dieser Gott ruft ihren Bau zu in ihrer Nähe.
Ein Geräusch wird aus dieser Höhle gehört wie die Stimme von Menschen,
welche trauern, wenn ihre Bau dem R
e zurufen.
«Göttergrab» ist der Name dieser Höhle.

Vierte Höhle. Nach der Tür «Messer, das die Götter umgürtet» folgen die «Bilder» der Götter «Stier des Westens» (565, stierköpfig), «Edelster der Götter» (566, ziegenköpfig) und «Der die Götter beweint» (567, unbestimmter Tierkopf). Der Text lautet:(139)

So sind sie beschaffen auf ihren Kleidern, indem sie auf ihrem Sand bleiben als Geheimnis, das Horus gemacht hat.
Dieser Gott ruft ihren Bau zu in ihrer Nähe.
Ein Geräusch wird aus dieser Höhle gehört wie der Freudenlaut von männlichen Stieren, wenn ihre Bau dem R
e zurufen.
«Trauernde» ist der Name dieser Höhle.

 

Fünfte Höhle. Zwischen den beiden Türen «Messer, das die Finsternis vereinigt» und «Messer, Schatten der Unterweltlichen» thronen die «Bilder» der drei Götter «Ichneumon» (565, trotz seines Namens mit dem Kopf einer Spitzmaus), «Wels» (569, mit Welskopf) und «Der zu seinen beiden Stengeln gehört» (570, mit Nilpferdkopf). Dazu der Text:(140)

So sind sie beschaffen auf ihren Kleidern indem sie auf ihrem Sand bleiben als Geheimnis, das Horus gemacht hat.
Dieser Gott ruft ihren Bau zu in ihrer Nähe.
Ein Geräusch wird aus dieser Höhle gehört wie der Klang des Flehens, dessen Gewalt groß ist, wenn ihre Bau dem R
e zurufen.
«Herrin des Windes» ist der Name dieser Höhle.

 MITTLERES REGISTER

Erste Szene. Zwischen den Reihen der «Höhlen» auf beiden Ufern wird die Sonnenbarke dahingezogen. Sie zeigt wieder die Besatzung der sechsten Stunde, doch ist die schützende «Ringelschlange» um den Sonnengott geblieben; Isis und der «Älteste Zauberer», die in der siebenten Stunde den Apophis «bezaubert» haben, gehören nicht mehr zur Mannschaft. Der Text über der Barke beschreibt die ganze Stunde mit ihren «Höhlen»:(141)

Dieser Gott fährt dahin in dieser Stätte, als der, den die Unterweltlichen Götter ziehen,
in seinem geheimnisvollen Bild der Ringelschlange.
Dieser Gott ruft in der Nähe jeder Höhle dieser Stätte zu den Göttern, die in ihr sind.
Ihr Geräusch ist es, das dieser Gott hört, nachdem er ihnen zugerufen hat.
(142) Ihre leiblichen Bilder bleiben über ihren Leichnamen, die unter ihrem Sand sind,
und ihre Türen öffnen sich auf die Stimme dieses Gottes hin, Tag für Tag.
Dann werden sie (wieder) verhüllt, nachdem er an ihnen vorbeigezogen ist.

Zweite Szene. Acht Götter am Zugseil der Sonnenbarke, die kollektiv «Unterweltliche Götter, die Re im <Sarkophag ihrer Götter> ziehen» genannt werden ('581-588). In der Liste bei Thutmosis III. heißen sie kürzer «Götter, die Re ziehen», die ausführlichere Fassung nennt noch den Bereich dieser Nachtstunde («Sarkophag ihrer Götter»). Über den Ziehenden steht als begleitender Text:(143)

Was sie in der Dat zu tun haben:
R
e zu den Wegen dieser Stätte zu ziehen.
Sie halten an, nachdem sie (ihn) gezogen haben, bei diesem Torweg.
Sie (sagen) zu diesem Gott, wenn sie ihn ziehen: Komm doch zu deinen Bildern, unser Gott,
zu deinen (jms-Zeichen,) «
Die zum Grab gehören», die im Westen sind,
daß du (in) deinen Gestalten verweilst in der «Größten Stadt» (dem Totenreich)!
Er
(Re) ist es ja, dem die «Höhlenbewohner» Ehre erweisen,
während du die Finsternis derer, «Die auf ihrem Sand sind», erleuchtest!
Komm doch zu dir, damit du verweilst, R
e, der gezogen wird, Herr des Ziehens!

 

Dritte Szene. Neun jms-Zeichen, die als personifizierte Zeichen für die Gerichtshoheit des Sonnengottes und für seine «Gefolgschaft» die Barke begleiten. Ihre kollektive Bezeichnung lautet: «<Die zum Grab Gehörigem des Re, die in dieser Stätte sind. Geheime Bilder des Tatenen, bei denen Horus die Götter verborgen hat». Dazu trägt auch jedes einzelne der Zeichen einen Namen: «Der in der Erde verweilt» (589), «Verbergender» (590), «Der die Bau geheim macht» (591), «Der die Schatten zur Ruhe bringt» (592), «Allherr» (593), «Opferkrug» (^594), «Wegführer» (595J)» «Zuverlässiger» (596) und «Erhörender» (597,).
Der beschreibende Text lautet:

So sind sie beschaffen auf dem Weg, auf welchem dieser Gott gezogen wird.
Indem ihre Kleider vor ihnen sind, als Bilder des Gottes selbst.
Wenn dieser große Gott ihnen zuruft, lebt das, was in ihnen ist,
kommen die Köpfe hervor aus ihren Bildern.
Dieser Gott ruft sie bei ihren Namen.
Was sie zu tun haben: das Zerschneiden der Feinde R
es zu veranlassen in der Nähe dieser Stätte, zu der sie gehören.
Dann verschlingen sie ihre Köpfe und ihre Messer (wieder), nachdem dieser Gott an ihnen vorbeigezogen ist.

 

Vierte Szene. Vier Widder mit verschiedenartigem Kopfschmuck und der kollektiven Bezeichnung «Die geheimnisvollen Bilder des Tatenen, die erste Erscheinungsform, die Widder, die in der Erde sind, bei denen Horus die Götter verborgen hat». Im einzelnen sind sie (von links nach rechts) als «erste» bis «vierte Erscheinungsform, Bild des Tatenen» gekennzeichnet; der erste trägt die Sonnenscheibe, der zweite die oberägyptische, der dritte die unterägyptische Krone, der vierte das hohe Federpaar des Tatenen. Es handelt sich also um vier unterweltliche («in der Erde») und daher dem Tatenen zugewiesene Widder, als Entsprechung zu den vier Sonnenwiddern der oberirdischen Welt.
Die Beischrift schildert ihre Zwiesprache mit dem vorbeiziehenden Sonnengott:
(146)

So sind sie beschaffen in der Dat,
indem ihre Kleider vor ihnen sind, als Bilder des Gottes selbst.
Dieser Gott ruft ihnen zu, nachdem er sie erreicht hat, und sie rufen diesem Gott zu mit ihrer Stimme von geheimnisvollen Widdern.
Dieser Gott jubelt über ihre Stimme.
Nachdem er aber an ihnen vorbeigezogen ist, verhüllt sie Finsternis.
Sie empfangen die Kronen des R
e, während der Ba des Tatenen in der Erde verweilt.

 UNTERES REGISTER

Auch dieses Register ist, wie das obere, in fünf «Höhlen» eingeteilt, aus denen die seltsamsten Geräusche dem Sonnengott entgegentönen, sobald ihre Türen aufgesprungen sind.
Sechste Höhle. In dieser Höhle folgen auf die Tür «
Messer, Hälfte der Erde» die folgenden göttlichen Wesen: die Göttin «Das Mädchen» (602}, die Schlange «Weltumringler» (603), die in der elften Stunde wieder begegnet (S. 177), drei Pfeile als «Pfeile des RE»(604)und ein widderköpfiger Gott, der als «Herr der Kiebitze» (Delta-Bewohner) auf einem Stoff-Zeichen thront (605). Der Text lautet:(147)

So sind sie beschaffen auf ihren Kleidern, als Geheimnis des Horus, des Erben des Osiris.
Dieser große Gott ruft ihren Bau zu, nachdem er eingetreten ist in diese Stätte der Götter,
(148) die auf ihrem Sand sind.
Dieser Gott ruft ihnen zu auf beiden Seiten der Erde (Unterwelt).
Ein Geräusch wird aus dieser Höhle gehört wie das Schreien eines männlichen Katers,wenn ihre Bau dem R
e zurufen.
«Die ihren Herrn befriedigt» ist der Name dieser Höhle.

Siebente Höhle. Ihre Tür heißt «Messer, das die Feinde vertreibt». Ein thronendes Götterpaar, «Stätte» (606) und «Erde» (607), personifiziert den Unterwelts-Abschnitt und die ganze Unterwelt; hinter ihnen folgt der krokodilköpfige Gott «Der mit verständigem Gesicht» (608).
Über den Gottheiten steht die Beischrift:
(149)

 

So sind sie beschaffen auf ihren Kleidern,
indem sie auf ihrem Sand bleiben als Geheimnis, das H
orus gemacht hat.
Dieser Gott ruft ihren Bau zu in ihrer Nähe, auf ihren beiden Seiten.
Ein Geräusch wird aus dieser Höhle gehört wie das Gemurmel von Lebenden (Menschen),
wenn ihre Bau dem R
e zurufen.

«Welche die Unwissenden vernichtet» ist der Name dieser Höhle.

Achte Höhle. Nach der Tür «Messer, mit machtvollen Gestalten» folgen vier stehende weibliche Mumien: «Die Kleidende» (609), «Die Dunkle» (610),  «Die Schmückende» (611) und «Die Zusammenfügende» (612).
Der Text ist gegenüber den anderen Höhlen etwas abgewandelt:

So sind sie beschaffen, indem ihre Kleider vor ihnen sind und sie auf ihrem Sand bleiben als (150) Geheimnis,
das H
orus gemacht hat.
Dieser Gott ruft ihren Bau zu in ihrer Nähe, auf ihren beiden Seiten.
Ein Geräusch wird aus dieser Höhle gehört wie der Klang,
wenn die Ufer in den N
un fallen, wenn ihre Bau dem Re zurufen.
«Die ihre Bilder verhüllt» ist der Name dieser Höhle.

Neunte Höhle. Als Gegenstück zu der vorangehenden Höhle enthält sie, hinter der Tür «Messer, mit scharfen Flammen», vier stehende männliche Mumien: «Finsternis» (613), «Der Schlächter» (614), «Der die Achu fernhält» (615) und «Der die Erde aufhackt» ('616). Dazu als Text:(151)

So sind sie beschaffen, indem ihre Kleider vor ihnen sind und sie auf ihrem Sand bleiben als Geheimnis,
das H
orus gemacht hat.
Dieser Gott ruft ihren Bau zu in ihrer Nähe, auf ihren beiden Seiten.
Ein Geräusch wird aus dieser Höhle gehört wie das Schreien eines göttlichen Falken,
wenn ihre Bau dem R
e zurufen.

«Die ihre Bau fern sein läßt» ist der Name dieser Höhle.

Zehnte Höhle. Zwischen den Türen «Messer, mit verklärten Achu» und «Messer, das die Toten verzehrt durch die (Uräen), die in ihm sind» richten sich vier Uräus-Schlangen auf  Stoffe-Zeichen auf. Sie heißen:«Uräus» ('617), «Die Gewundene» (618), «Die Flammende» ('619) und «Die scharf ist im Angriff» (620').
Der Text lautet:

(152) So sind sie beschaffen auf ihren Kleidern, indem sie auf ihrem Sand bleiben.
Dieser Gott ruft ihnen zu in ihrer Nähe.
Dann wird ihre Dunkelheit erleuchtet durch das (Feuer), das in ihrem Maul ist, ohne daß sie herauskommen aus ihrer Höhle.
Ein Geräusch wird aus dieser Höhle gehört wie das Schreien eines ganzen Vogelnestes, wenn sie dem R
e zurufen.
«Die mit großen Fackeln» ist der Name dieser Höhle.

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