EINLEITUNG
Verweilen durch die Majestät dieses großen Gottes in der Wassertiefe «Wasserloch der Unterweltlichen».
Dieser Gott befiehlt, daß diese Gottheiten Besitz ergreifen von ihren Gottesopfern bei dieser Stätte.
Er befährt die Straße, ausgestattet mit seiner Barke,
er weist ihnen ihre Äcker zu als ihre Opfer,
er gibt ihnen Wasser von ihrem Gewässer beim Durchziehen der Dat, Tag für Tag.
Der Name des Tores dieser Stätte ist «Mit scharfen Messern».
(98) Der Name der Nachtstunde, die diesen großen Gott geleitet,
ist «Ankunft, die den rechten (Weg) gibt».
Der geheimnisvolle Weg des Westens, dessen Wasser dieser große Gott befährt in seiner Barke, um für die Unterweltlichen zu sorgen. Genannt bei ihrem Namen, bekannt in ihrem Wesen, graviert in ihren Gestalten sind ihre Stunden, geheimen Wesens, ohne daß dies geheime Bild der Dat von irgendeinem Menschen gekannt wird.
(99) Gemalt ist dieses Bild dergestalt im Verborgenen der Dat, im Süden des Verborgenen Raumes. Wer es kennt, gehört zu den Opferspeisen in der Dat, zufrieden ist er mit den Opfern der Götter, die im Gefolge des Osiris sind, gespendet wird ihm alles, was er wünscht, in der Erde.

SECHSTE STUNDE
OBERES REGISTER

Erste Szene: Neun Gottheiten auf unsichtbaren Sitzen; diese scheinbar «sitzende» Haltung deutet an, daß sie sich schon halb aus dem Todesschlaf aufgerichtet haben. Die ersten drei Gottheiten haben verschiedene Gestalt: «Opfernder vor der Dat» (401, mumiengestaltig, mit Opferbrot und Bierkrug auf dem Haupt), «Isis der Imhet» (402, mit der unterägyptischen Krone) und «Osiris, Liebling der Götter» (403, ohne Attribute). Es folgen drei mumiengestaltige Götter: «Horus, der vor seinem Acker ist» (404, falkenköpfig), «Pavian, der zu seinem Acker gehört» (405, mit Affenkopf) und «Der mit erneuertem Herz, der vor seinem Acker ist» (406, mit der ober­ägyptischen Krone); der letztere Gott ist von der Gestalt und vom Namen her wohl als eine Form des Osiris anzusprechen, der sonst als Totengott gern «Der mit müdem Herz» genannt wird. Es folgen noch drei Göttinnen: «Die vom Ackeranteil» (407), eine mit unklarem Namen (408) und «Die, welche die Götter zufriedenstellt» (409). Die Beischrift zu diesem Bild lautet:

Die Majestät dieses großen Gottes sagt zu den Göttern, die auf diesem Gefilde sind:
0 «Sitzende», die in der Dat sind, die Opfer-Götter, die zu ihren (Opfer-)Körben gehören.
Opfer gehören euch, so daß ihr zufrieden seid, Äcker gehören euch von euren Opfern,
so daß ihr mit ihnen zufrieden seid, allezeit!
Ihr seid die, die mit (ihrem) Besitz zufrieden sind,
Die Herren des Armes, mit rechten Füßen! Eure Gestalten mögen hoch,
eure Erscheinungsformen groß sein,
daß ihr reich seid und mächtig seid, und umgekehrt!
Ihr seid reich durch eure Nacken,
ihr seid mächtig durch eure Macht-Szepter,
damit ihr O
siris schützt vor denen,
die jene Bedrängnis verursacht, die ihn beraubt haben!
Was sie zu tun haben in der Dat:
den Unterweltlichen Göttern Opfer zu geben.
Ihre Opfer entstehen sofort,
als Opferspeisen (durch) den Ausspruch dieses großen Gottes.

Zweite Szene. Neun Szepter (Hirtenstäbe), alle mit einem Messer am unteren Ende. Die drei ersten tragen die oberägyptische Krone und heißen «Hirtenstab» (410), «Duft der Erde» (411)und «Szepter der Dat» (412). Die drei folgenden Szepter tragen die unterägyptische Krone: «Welche die Götter ordnet» (413), «Amme der Unterweltlichen» (414) und «Gewässer des TATENEN»(415).
Die drei letzten Szepter tragen eine Uräus-Schlange: «
Welche die Götter schützt»
(416), «
Die zu den Köpfen der Götter gehör
(417) und «
Die zu den Gefilden der Unterweltlichen gehört» (418).

OBERES REGISTER

Die Beischrift lautet:(101)

Weisungen erteilen durch die Majestät dieses großen Gottes
an die Kommandostäbe der Könige von Ober- und Unterägypten, die in der Dat sind:
0 erneuert euch, erhebt die Weiße Krone
und tragt die Rote Krone unter den «Kiebitzen»
(Delta-Bewohner)! Eure Felder gehören euch von der Dat,
(102) in der eure Opfer entstehen. In Ordnung seien eure Kommandostäbe,
Leben gehört euren Bau, Atem euren Kehlen! Ihr seid es, die auf Erden entstanden sind,
die jubeln, wenn meine Feinde vertrieben sind! Ihre Bau stehen in der Dat auf ihren Szeptern,
ihre (der Szepter) unteren Enden sind Messer. Der «Räuber»
(Seth) kennt sie nicht.

Dritte Szene. Über einem liegenden Löwen, dem «Stier mit der Donnerstimme» (420) ist ein Augenpaar («Abbild des Re», 419) dargestellt, dahinter wieder eine «sitzende» Göttin, Isis-Tatenen (421). Der Text gibt eine kurze Beschreibung:

(103) Dies ist das Göttliche Auge des Re. Es befindet sich über dem «Stier mit der Donnerstimme» in der Dat.
Der «Stier mit der Donnerstimme» freut sich, wenn Re auf seinem Göttlichen Auge verweilt.
Das Bild der I
sis-Tait befindet sich in der Nähe dieses Göttlichen Auges.

Vierte Szene. Ein Götterpaar, das als «Wächter» bereits zum folgenden Bild gehört, aber eine eigene Beischrift hat. Der erste, offenbar nackte Gott heißt «Leuchtender» (422), die Göttin, mit Szepter und Messer in den gekreuzten Händen, «Welche den Göttern Respekt gebietet» (423).

(104) Dieser große Gott sagt: (0) «Leuchtender», hüte dein Bild!

(Du,) «Welche den Göttern Respekt gebietet»,
gebiete Respekt durch deine Kommandostäbe!
Verborgenheit sei euren Bildern,
Erleuchtung sei eurer Finsternis!
Möge sein (des Osiris) Leib atmen - das Fleisch, das ihr hütet!
Ich ziehe an euch vorbei, in Frieden!

Fünfte Szene. Drei schematisch gezeichnete Gräber, in denen Hinterteil, Flügel und Kopf des Sonnen-Skarabäus bestattet sind, also der Sonnen-Leichnam, der darunter, im Mittelregister, noch einmal erscheint (S. 124). Vor jedem der drei Gräber steht eine feuerspeiende Schlange als Wächter: «Der (Feuer) sprüht mit seinem Auge» (424), «Der (Feuer) sprüht mit seiner Zunge» (426) und «Der mit hoher Flamme» (428). Hinter den Gräbern steht eine Göttin ohne Attribute: «Anbetende, die zum Anfang der Gräber gehört» (430). Der beschreibende Text lautet:

Worte, die dieser Gott spricht in der Nähe dieses geheimnisvollen Bildes der Dat:
(105) Erleuchtet ist die Finsternis in der Erde!
Es jubelt und freut sich das «Fleisch»,
es spricht der Kopf, nachdem er seinen Leib vereinigt hat.
Dies sind die geheimnisvollen Bilder der Dat.
Die (Schlangen), die auf ihren Bäuchen sind, hüten sie.
Wenn R
e ihre Finsternis erleuchtet,
redet der Kopf, nachdem die «Gottesanbeterin» ihm zugerufen hat.

MITTLERES REGISTER

Sechste Szene. Die Sonnenbarke hat wieder die normale Gestalt (wie in der dritten Stunde) und die übliche Besatzung. Über ihr steht die Beischrift:

(106) Dieser große Gott fährt in dieser Stätte auf Wasser,
er rudert dahin in diesem Gefilde, in die Nähe des O
siris-Leichnams.
Dieser große Gott erteilt den Göttern Weisungen, die in diesem Gefilde sind,
wenn er bei diesen geheimnisvollen Gräbern landet,
welche die Bilder des O
siris enthalten.
Dieser Gott ruft über diesen geheimnisvollen Gräbern,
und (seine) Stimme (Echo?) ist es, die dieser Gott hört.
Dann zieht er weiter, nachdem er gerufen hat.

Siebente Szene. Ein thronender pavianköpfiger Gott Thot im <Wasserloch der Unterweltlichen)», 440), der auf der ausgestreckten Hand einen Ibis hält. Vor ihm steht die Göttin «Die ihre Bilder verbirgt» (441), beide Arme nach hinten gestreckt, um die beiden Scheiben (Pupillen des Gottesauges) in ihren Händen zu «verbergen». Dazu gehört die Beischrift:

(107) Es ist die Majestät dieses Gottes (Thot),
welche die Ufer für die Götter dieser Stätte in der Dat befestigt.
Re sagt zu diesem Gott:
Bleibender Bestand gehört deinem Tun,
bleibender Bestand gehört deinen Zaubersprüchen!
Es leitet dich die «Verbergende» zu deinen Gefilden,
durch das «Geheimnis» (Auge), das sie verborgen hat.
(0) «Verbergende», verborgen seien deine Arme, welche nackt sind!

Achte Szene. Insgesamt sechzehn stehende Mumien, die vier verschiedene Gruppen von seligen Verstorbenen repräsentieren. Die Mumien der ersten Gruppe ('442-445) tragen als «König von Oberägypten» die oberägyptische Krone, die der zweiten Gruppe (446-449) heißen «Die mit Opfern Versorgten», die der dritten Gruppe (450-453) sind jeweils «König von Unterägypten», zur vierten Gruppe (454-457) gehören vier Ach, also selige Verstorbene.
(Textzeile über der Darstellung:)

(108) Dieser Gott befiehlt, den Unterweltlichen Göttern Gottesopfer zu geben.
Wenn er zu ihnen tritt, sehen sie ihn,
verfügen sie über ihre Felder.
Ihre Opferspeisen entstehen dann durch das, was ihnen dieser große Gott befiehlt.
«Tiefe, Wasserloch der Unterweltlichen» ist der Name dieses Gefildes.
Dies ist der Weg der Sonnenbarke.

(Beischrift zu den Mumien:)
Es sagt die Majestät dieses großen Gottes zu den Königen von Oberägypten,
(zu) den mit Opfern Versorgten,
(zu) den Königen von Unterägypten und zu den Achu,
die in dieser (109) Stätte sind:
Euer Königtum gehört euch, Könige von Oberägypten - möget ihr eure Weißen Kronen empfangen auf euch!
Ihr seid zufrieden, mit Opfern Versorgte!
Eure Rote Krone gehört euch, Könige von Unterägypten!
Eure Achu gehören euch, ihr Achu,
eure Gottesopfer gehören euch, damit ihr zufrieden seid,
und ihr verfügt über eure Bau, so daß ihr stark seid!
Ihr seid König über eure Stätte, ihr verweilt in euren Äckern.
Ihr vereinigt euch mit dem Geheimnis in eurer Roten Krone,
ihr seid verklärt durch eure Zaubersprüche.
Ihr seid es, die zufrieden sind mit den Opfern, welche der Ausspruch der Götter euch gegeben hat.
Ihr seid es, die mir huldigen auf Erden und den A
pophis bestrafen.
(110) Die Könige von Oberägypten, die mit Opfern Versorgten,
die Könige von Unterägypten und die Achu, die in der Erde sind -
so sind sie beschaffen. Sie stehen bei ihren Höhlen,
sie hören die Stimme dieses Gottes, Tag für Tag.

Neunte Szene. Von der fünfköpfigen Schlange «Vielgesicht» ganz umringelt, liegt das «Fleisch» des Chepri, mit dem Skarabäus auf dem Haupt (459). Es ist wieder, wie in den drei Gräbern darüber, der Sonnen-Leichnam, aber nicht in mumifizierter Gestalt.
Die Beischrift lautet:

Dies ist der Leichnam des Chepri als sein eigenes Fleisch.
«Vielgesicht» hütet ihn.
So ist er («Vielgesicht») beschaffen: sein Schwanz ist in seinem Maul.
Das hat er zu tun: er ist ausgestreckt unter diesem Bild.
(111) Zu ihm kommt der ganze Westen, ohne daß er fortgehen kann zu irgendeinem (anderen) Platz der Dat.
Die Stimme R
es ist es, die (zu) dem Bild kommt, das in ihm ist.

 UNTERES REGISTER

Zehnte Szene. Zwölf teils stehende, teils halb erhobene Gottheiten: zunächst ein nur «Krokodil» genannter krokodilköpfiger Gott (460)) gsfolgt von der krokodilköpfigen Göttin «Die der große Nun ist» (460). Es folgen sechs stehende Götter (462-467) ohne Attribute, deren zum Teil unklare Namen wir übergehen, und zuletzt vier halb aufgerichtete Göttinnen (468-471), deren Namen auf die Behinderung im mumifizierten Zustand anspielen: «Gefesselte», «Zurückgehaltene», «Umgewendete» und «Beladene» (?). Dazu gehört der folgende Text:

Es sagt die Majestät dieses großen Gottes zu diesen Gottheiten:
0 Götter, die in der Dat sind, Gefolge des «Wasserloches der Unterweltlichen»,
Stehende und Sitzende des N
un, der in ihrem Gefilde ist!
(112) Ihr seid die Götter, deren Köpfe leuchten, deren Leichname stehen.
Ihr seid jene Göttinnen, die vor C
hepri zurückweichen zu dem Ort, an dem sein Leichnam in der Dat ist.
Eure Gesichter mögen leben und eure Herzen atmen,
Erleuchtung sei eurer Finsternis!
Möget ihr euch des Wassers bemächtigen,
möget ihr zufrieden sein mit euren Opfern, die hervorgehen für eure Bau, wenn sie hinter mir wandeln!
Mein Ba ist mit mir, damit ich auf meinem Leichnam verweile.
Ich gehe an euch vorbei, in Frieden!
Sie hören die Stimme R
es, Tag für Tag, und sie atmen durch seine Stimme.
(113) Was sie in der Dat zu tun haben:
Die Bau zu geleiten und die Schatten herabschweben zu lassen,
für den Wasser-Bedarf der Achu zu sorgen.

 

Elfte Szene. Die Schlange «Der die Gestalten verschlingt» (472), aus deren Windungen vier Menschenköpfe herausragen ; die beigeschriebenen Namen ordnen diese Köpfe den vier Horussöhnen zu, die auch sonst bei der Bekämpfung der «Feinde» mitwirken (vgl. S. 282 ff.).
Die kurze Beischrift lautet:

Der, welchen dieser große Gott nicht sieht.
Es atmen diese Bilder, die in seinen Windungen sind, wenn sie die Stimme dieses großen Gottes hören, Tag für Tag.
(114) Was er zu tun hat in der Dat:
die Schatten einzuschlürfen und die Gestalten der Feinde auszulöschen, die niedergeworfen sind in der Dat.

Zwölfte Szene. Nochmals vier halb aus dem Todesschlaf aufgerichtete Götter (473-476); ihre Namen beschreiben die Todesmattigkeit, aus der sie der Anruf des Sonnengottes aufrichtet: «Beengter», «Fußkranker», «Ohnefuß» und «Müder».

Es sagt die Majestät dieses großen Gottes zu diesen Göttern:

Steht doch auf und weicht nicht zurück, streckt euch doch aus und seid nicht müde!

Mögen eure Bau entstehen und eure Schatten verweilen, mögen eure Füße sich ausstrecken und (115) eure Knie gerade sein!

Ihr verweilt ja in eurem Fleisch, eure Mumienbinden sind nicht (mehr) gewickelt!

Sie leben von der Stimme dieses großen Gottes, Tag für Tag.

Was sie zu tun haben: für das Kommen des Achti zu sorgen.

Dreizehnte Szene. Vor dem Gott Nun am Ende des Registers (456} stehen neun feuerspeiende Schlangenstäbe, jeder mit einem Messer am unteren Ende. Nach den beigeschriebenen Namen vertreten diese Stäbe (475-485) die folgenden Götter: Tatenen, Atum, Chepri, Schu, Geb, Osiris, Horus, «Der Richter» (Thot?) und «Der vom Opfer». Sie haben die folgende Beischrift:

Es sagt die Majestät dieses großen Gottes zu den Stäben der männlichen Götter, die in dieser Stätte sind:

0 Stäbe der Großen Neunheit, Bilder dessen, der seine Götter gemacht hat!
Mögen eure Gesichter brennen und eure Messer scharf sein, damit ihr die Feinde C
hepris verzehrt und ihre Schatten zerschneidet!
Ihr seid es, die zum geheimen Leib gehören, deren Plätze
nun geschaffen hat!
ihr seid die, die im Wasser (116) T
atenens sind, die Entstandenen, die Chepri schützen!
Sie atmen durch die Stimme R
es, Tag für Tag.
Was sie in der Dat zu tun haben: die Toten zu braten und die Bau der Vernichtungsstätte zu übergeben.

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